Auch das gibt es mittlerweile: Chaos mit Ankündigung

Gibt es Wege ohne Ziele? Foto Bettina Bonkas

Ist der Weg das Ziel? Ja, man könnte es glauben, wenn man auf die täglich berichteten Geschehnisse um die Pandemie in Deutschland schaut. Ein Land, von dem ich bisher glaubte, dass Verwaltung und Organisation im Vergleich zu anderen Staaten dieser Erde absolute Prunkstücke sind und funktionieren. Jahr um Jahr, Ereignis für Ereignis haben wir in der Vergangenheit mit einer gewissen Überheblichkeit auf andere Länder geschaut – oft auf die so genannten Südländer – und nicht so richtig verstanden, wieso es da so oft Aussetzer im Verwaltungshandeln gab oder politische Entscheidungen nicht Eins zu Eins umgesetzt wurden, wie wir es für uns in Anspruch nehmen. Nun erkennen wir, dass auch Deutschland vom glatten Versagen im Verlauf der Corona-Pandemie nur einen Steinwurf entfernt ist.

Ankunft gesichert

Persönlich habe ich ein besonderes Faible für Fotos mit Wegen, Pfaden, Straßen mit Baumreihen oder Zäunen, die in die Tiefe des Bildes weisen; geheimnisvoll, wenn man sich von dem Zauber einfangen lässt, aber auch zielorientiert. Das Verblüffende dabei: Es gibt keinen Weg, keine Sackgasse ohne Ziel und Endpunkt; sei es eine Kreuzung, ein Wege-T, ein Feld, eine Wiese, ein Fluss… Und rechts und links wächst Begleitgrün, stehen Bäume oder Begrenzungspfähle oder Schilder oder…, die uns begrenzen oder den Horizont öffnen. Irgendwann oder irgendwie kommt man immer an. Die entscheidende Frage dabei ist das Wie.

Selbst unsere Kanzlerin hat in der letzten Woche mit für sie untypischen Worten in einer internen Besprechung Versagen in der Pandemie zugegeben und beim digitalen Weltwirtschaftsforum in Davos u. a. die fehlende Geschwindigkeit im Handeln eines Föderalstaates kritisiert. Ohne viel Wenn und Aber ist Deutschland auf vielen Gebieten in ihrer Regierungszeit und schon davor in einen Bequemlichkeitsschlaf gefallen, der sich auf fast allen Ebenen der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft breit gemacht und viele Aktivitäten gelähmt hat. Das Paradebeispiel Digitalisierung mag ich nicht mehr nennen. Oder den Tiefschlaf und die Verweigerungshaltung von VW bei der Elektromobilität als Zwischentechnologie. Oder die immer weiter auseinanderklaffende Lücke zwischen Arm und Reich.

Selber Schuld

Es ist mehr als offensichtlich und an vielen Symptomen im täglichen Leben zu erkennen, dass viele Menschen das Vertrauen in die Politik verloren haben. Sie wundern sich gar nicht mehr, dass das Meldeverfahren zur Impfung der über 80Jährigen – über Hotline oder Website – nicht klappt, als sei das eh vorprogrammiert. Und dieser Misserfolg der Organisation und des Gesamtablaufes war ja in den Medien vor angekündigt. Man geht zur Tagesordnung über und erwartet ohnehin nur Mittelmaß von Staat und Gesellschaft.

Die Gemeinde ist das letzte Kettenglied

Was folgt, sind die üblichen Verfahrensweisen, die jeder von uns aus eigener Erfahrung kennt: Die Bestrafung der Unbeteiligten und das Lob für die, die sich aus allem raushalten und die Verantwortung bei anderen suchen. Der Landkreis verweist auf das Land, die Samtgemeinde auf den Landkreis, die Gemeinde auf die Samtgemeinde. Beim kleinsten Baustein, der Gemeinde nämlich, hakt es dann. Denn sie ist (noch) selbständig und kann ihre Verantwortung nicht rückdelegieren, auch wenn es dazu genügend Versuche gab. Da wird schon mal in den falschen Lostopf gegriffen, das Publikum bei Sitzungen in der Zahl begrenzt oder Kinderspielplätze geschlossen.

Man möchte fast sagen oder vielleicht auch nur hoffen, dass wir bei den schon jetzt vorausgesagten, noch kommenden Pandemien klüger sind. Seit Monaten erzürnt mich in der Tagesschau am Sonntag (vor dem Tatort) die Aussage, dass die Pandemie-Zahlen vorläufig sind, weil am Wochenende…
Geht es noch! Wir sind in einer Jahrhundertkrise (Originalton Merkel) und die Landkreise schaffen es nicht, die „echten“ Zahlen zeitgemäß zu melden, weil Wochenende ist.

Durchhalten und überwintern – Foto CL

Ehrenamtliche nach vorn

Deswegen mein Vorschlag: Lasst uns doch das Ehrenamt wieder auf „voller Breite“ alarmieren. Wie anlässlich der „Flüchtlingskrise“ ab 2015, bei der es in der Endabrechnung deutschlandweit ein ziemliches Versagen der Verwaltungen in der Vielfältigkeit der Aufgaben gab. Ohne Ehrenamt und Kirchen wäre es damals schon zu einer Katastrophe gekommen. So meine Einschätzung.
Mit dem Ehrenamt im Einsatz ist der Weg nicht nur das Ziel, sondern mit liebevoller, handwerklicher Feinarbeit von vielen engagierten Händen und Köpfen werden Herausforderungen zugreifend gelöst. Auch am Wochenende und ebenso, wenn jemand ausfällt.

CL

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