Mutmacher aus Loccum: Zusammengeschnipseltes von CHB

Schnipsel eines ehemaligen Pädagogischen Mitarbeiters aus Loccum

Alles, was in der Welt erreicht wurde, wurde aus Hoffnung getan.“
Martin Luther

Es gibt Stätten mit Ausstrahlung. Für mich gehört ohne Zweifel Loccum dazu, nicht weit entfernt von Weser und Steinhuder Meer im Landkreis Nienburg gelegen. Schon der Name klingt wie ein Programm. Zwei überregional bekannte „Bildungseinrichtungen“ tragen in der Neuzeit zum guten Klang bei: die Evangelische Akademie Loccum (mit zwei weiteren Abkömmlingen) und die Evangelische Heimvolkshochschule Loccum.

Geschichtlich und religiös war über die Jahrhunderte das hier ansässige Zisterzienserkloster (seit 1163), eines der ältesten in Deutschland und vom Kloster Volkenroda in Thüringen gegründet, ein bis heute weithin wahrgenommenes Aushängeschild, nicht nur in christlichen Kreisen.

Jahresstart im Kloster

Seit 43 Jahren wird hier gewissermaßen die neue, politische Saison in Niedersachsen eröffnet, weil sich hier die Spitzen von Politik, Religionsgemeinschaften und Behörden versammeln. Seit dem 6. Januar 1977 –dem Todestag des früheren Landesbischofs Hanns Lilje – findet der recht exklusive Empfang der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover im ehemaligen Zisterzienserkloster Loccum am 6. Januar statt, wie der einladende Landesbischof Ralf Meister – seit September 2020 auch Abt des Klosters – erläuterte. Den Mittelpunkt des Treffens, bei dem stets Butterkuchen sowie Kaffee und Tee gereicht werden, bilden die Reden des Ministerpräsidenten und des Landesbischofs. Bald ist es wieder soweit.

Man muss wirklich nicht viel Fantasie haben oder in Gänze im politischen Geschäft stehen, um sich vorstellen zu können, worum es in neun Tagen thematisch am 6. Januar 2021 gehen wird: Pandemie, durch die Politik verschwiegene Flüchtlingskatastrophe auf den griechischen Inseln und anderswo, das Auseinanderdriften von Reich und Arm, ungleiche Bildungschancen in der deutschen Gesellschaft, Klimawandel …

Es ist weit über dreißig Jahre her, dass ich das erste Mal in Loccum eine Teilnahmemeldung zur jährlich dort stattfindenden Landwirtschaftstagung abgegeben habe. Schon damals diskutierte man eifrig über die ökologische Landwirtschaft und die Nachhaltigkeitsprinzipien in Staat und Gesellschaft. Wir konventionellen Landwirte haben damals ehrlich gesagt gar nicht richtig verstanden oder verstehen wollen, welche Grundidee der Schöpfung dahinter stand und haben diese für uns „weit hergeholten“ Aussagen eher dazu genutzt, unsere eigene Position als Anti Part zu verstärken.

Loccum bildet

Aber bewundert habe ich schon damals die offenen, harten und dennoch liebenswert geführten Diskussionen unterschiedlicher Meinungsführer in der Gesellschaft, unter dem Schutz und im Auftrag einer Evangelischen Akademie. Das Andersdenken wurde und wird nicht verfälscht. Es orientiert sich an der Wertschätzung des Einzelnen gegenüber Staat und Gesellschaft und dem Mitbürger, bei allen Unterschieden der persönlichen Haltung und Meinung.

Und macht den Kopf frei

Heute zielt der vor kurzem verabschiedete so genannte Niedersächsische Weg darauf ab, 15 Prozent der Landwirtschaftsfläche bis 2030 in Niedersachsen ökologisch zu bewirtschaften. Welche Entwicklung in den Köpfen der Landwirte, ihrer Verbände, Vertretungen und der Landesregierung!

Wer verstehen möchte, wie unsere Welt und unsere Gesellschaft funktioniert oder besser noch, funktionieren sollte, hat bei einem Aufenthalt in Loccum große Chancen dazu zu lernen und ein Stück Zukunft vorauszusehen. Nicht nur im verminten Feld der Agrarpolitik. Über allem stehen die Werte und Normen unserer europäischen Gesellschaft, die zwar christlich-jüdisch, aber eben nicht nur christlich-jüdisch, basiert sind.

Die Akademie in Loccum geht mit der Zeit. Sie muss es auch. Fast alle Tagungen finden zurzeit wie überall online statt.

Zoom-Tagung: Europa und die Kirchen

www.loccum.de

www.hvhs-loccum.de

CL

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