Volkstrauertag 2020: Zwei für alle

Ohne Öffentlichkeit: Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewalt – Fotos Olaf Waldau

Der Volkstrauertag am Sonntag, 15. November, war noch stiller als sonst. Das Pandemie-Geschehen greift in alle Lebensumstände ein. So legten Bürgermeister Rainer Angerstein und seine Stellvertreterin Simone Köpnick in diesem Jahr allein und ohne Publikum und weitere Begleitung die Kränze an den beiden Ehrenmalen vor der Räbker St. Stephani-Kirche nieder.

In einem Dorf-Brief hatte der Bürgermeister im Vorfeld auf die besondere Bedeutung dieses Tages hingewiesen:
HIER
und in seiner Gedenkrede ein weiteres Mal Bezug genommen:
HIER

Lesen Sie bitte nach!

Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten des II. Weltkrieges

Gedanken zum Volkstrauertag 2020

14 Gottesdienstbesucher waren am Volkstrauertag während des Gottesdienstes „zu Gast“ in St. Stephani. Wie viele waren es in den Vorjahren? Woran kann man die Abwesenheit in diesem Jahr festmachen? An der Angst und Furcht vor Ansteckung und im besten Sinne, weil man die vielfältigen politischen Aufforderungen zum Nicht-Kontakt ausführen wollte? Oder war es nur Bequemlichkeit? Findet man den Pfarrer nicht so sympathisch? Ist der Bezug des Gedenkens der Opfer von Gewaltherrschaft und Krieg nicht mehr in einer Linie mit dem eigenen Glauben und der Kirche als Instanz verbunden?
Keine Anschuldigungen, lediglich Fragen, denen wir uns stellen sollten.

Die Deutschen haben im 20. Jahrhundert unbestritten schwere Schuld auf sich geladen. Speziell der II. Weltkrieg gibt eine unselige Richtung vor. Ein Großteil der Menschen war Täter und Opfer zugleich.
Heutige Generationen tragen zweifellos keine Schuld – wie sollte das auch gehen -, aber als Deutsche eine hohe Verantwortung dafür, dass die durch die Redner am Volkstrauertag so häufig aufgenommenen Beispiele und Geschehnisse nicht nur in ihrer Tragweite einmalig in der Geschichte bleiben.

Sei 1955 existiert die Bundeswehr. Eine Armee, die in der Demokratie das Laufen gelernt hat – als Bündnisarmee, als Parlamentsarmee mittlerweile mit einer eigenen Geschichte und einer Tradition, die sich auch international sehen lassen kann.

Ja, wir denken besonders an die Opfer von Gewalt, Zerstörung und Krieg im letzten Jahrhundert. Dass sollte am Volkstrauertag immer der erste Impuls sein und nie vergessen werden. Der weitere Inhalt unseres Gedenkens jedoch sollte sich mittlerweile auf die gefallenen, verletzten, verwundeten, verstorbenen Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr beziehen, die ihren Dienst im Sinne unserer demokratischen Grundordnung als Auftrag von Parlament, UNO und NATO ausübten. Und auf die Opfer des Terrorgeschehens im 20. und 21. Jahrhundert.

Der Räbker Erich Manthey, abgestürzt am 09.02.1975 über Kreta, war einer von ihnen.

CL

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