Vom Äußeren zum Inneren …

Foto: Sonja Peltzer-Montfort

Bautagebuch 3, Hauptstraße 24

Mit einigem Zeitverzug konnte in diesem Monat das Gewerk des Dachdeckers zum Abschluss gebracht werden. Der Giebel der Wetterseite wurde wieder -wie bereits das Dach- mit den vorhandenen, bzw. aus Klein Twülpstedt herangebrachten Linkskrempern behängt und die First- und Gratziegel in Mörtel gesetzt.

Eine Methode, die leider häufig durch die Verwendung von sog. Lüfterfirsten ersetzt wird, wobei letztere durch den meist sichtbaren Insektenschutz aus Kunststoff optisch nicht gerade schön sind, für die Dachdecker aber einfacher und schneller herzustellen.

Grate in Mörtel gesetzt – Foto: Heidi Fengel
Linkskremper im Licht- und Schattenspiel – Foto: Heidi Fengel

Wenden wir uns nun also dem Inneren zu und hierbei besonders den Wänden mit ihrem bauzeitlichen Lehmputz. Gerade in diesem wieder einmal heißen Sommer wird deutlich, wie temperaturausgleichend dieses Material ist, wie angenehm kühl es im Haus ist, während draußen die Hitze glüht. Aber Lehm kann noch mehr. Durch die Eigenschaft, Feuchtigkeit stärker als Holz aufzunehmen und zeitversetzt wieder abzugeben, bewahrt Lehm das Holz eines Fachwerkgefüges vor dauerhafter Durchfeuchtung und damit vor Zerstörung. Holz und Lehm ergänzen sich also perfekt und stellen eine über Jahrhunderte bewährte Kombination mit großer Langlebigkeit dar. Zudem sind Lehmoberflächen leicht zu reparieren, das Material wunderbar zu recyceln und -wenn es sein soll- umweltfreundlich zu entsorgen.

Darüber hinaus garantieren Lehmwände das anerkannt angenehme Wohnklima. Feuchtigkeit wird aufgenommen, wenn es zu viel davon in der Raumluft gibt und wieder abgegeben, wenn die Raumluft sie wieder aufnehmen kann oder sie durch Diffusion nach außen abführen. Den Saunaeffekt, den man styroporgedämmten Gebäuden nachsagt, wird es bei einem Lehmfachwerk nicht geben.

Ein weiterer Aspekt für ein Wohlfühlklima ist die Oberflächentemperatur der raumumschließenden Wände. Auch bei nicht sehr hoher Raumlufttemperatur fühlen sich Lehmoberflächen warm an. Der menschliche Körper nimmt Strahlungswärme besonders angenehm wahr und Strahlungskälte besonders unangenehm. Man wird sich in einem Raum mit warmen Wänden entsprechend wohler fühlen, als in einem Raum mit kalten Wänden, da die jeweiligen Temperaturen als Strahlungswärme oder -kälte auf Gegenstände oder den Menschen im Raum treffen und ihn erwärmen oder abkühlen. Strahlungswärme macht deshalb geringere Raumlufttemperaturen ohne Komforteinbußen möglich und das spart auch noch Heizkosten.

Bei den Außenwänden geht es heutzutage natürlich nicht mehr ohne zusätzliche Dämmmaßnahmen. Bei diesem Haus wurde der vorhandene Lehmunterputz der Außenwände soweit ausgebessert, dass Holzfaserdämmplatten aufgebracht und mit Tellerankern befestigt werden konnten. In dem darauf aufgebrachten neuen Lehmunterputz sorgt ein eingelegter Putzträger für einen sicheren Verbund mit den Dämmplatten und das Aufrauen wiederum dieser Oberfläche für den Verbund mit dem Lehmoberputz. Der besitzt eine feinere Struktur und stellt die Oberfläche für den kommenden Anstrich dar.

Vor der Sanierung – Foto: Heidi Fengel
Teilausbesserungen – Foto: Heidi Fengel
Außenwand mit Holzfaserplatten gedämmt – Foto: Heidi Fengel
Fertiger Unterputz – Foto: Heidi Fengel

Ganz ohne Zementmaterial geht es allerdings auch in diesem Gebäude nicht. Küche, Bad und WC erhielten einen schwimmenden Estrich. Die Firma „Elm-Fliesen“ der Familie Krause aus Räbke hatte sozusagen ein Heimspiel und trat mit kompletter Mannschaft an. Entsprechend schnell konnte dieses Gewerk beendet werden.

Firma „Elm-Fliesen“ bei der Herstellung des Estrichmörtels – Foto: Heidi Fengel

Fortsetzung erfolgt gemäß Baufortschritt.

H.F.

Mehr Fotos zum Objekt und dessen Baufortschritt finden Sie hier.

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