Aufgepasst, jetzt kommt etwas – Lichtwellenleiter (LWL) für Räbke

Unser Dorf bekommt Zukunft – zumindest teilweise

Schnelles Internet auf Basis zukunftsfähiger Technik mit hoher Ausbaureserve
(Bewertung, Technischer Hintergrund, Glossar + Links am Ende des Beitrages)

Aus Richtung Frellstedt arbeitete sich die Kolonne der Tiefbauer auf Räbke zu. Immer dabei, eine große, unübersehbare Trommel mit einem leuchtorangefarbigen Leerrohr auf einem speziellen Transportanhänger, zwei Kleinbagger, diverse Rüttler, Schaufeln und Besen sowie verschiedene Trossfahrzeuge.

Dieses tatkräftige Team hatte Glück mit dem Wetter letzte Woche. Bei strahlendem Sonnenschein konnte man beobachten, wie es das gut 6 cm starke Sammel-Leerrohr Meter um Meter in einen etwa 80 cm tiefen und 40 cm schmalen Graben einlegte, um anschließend die Straßendecke hinter sich gleich wieder zu verschließen.
Die sechsköpfige, multinationale Gruppe war von früh morgens bis spät in die abendliche Dämmerung im Gange, um im wörtlichsten Sinne „Meter zu machen“.

FTTB – Fiber to the Building

Damit liegt nun der sogenannte Hauptstrang (Backbone) in der Erde. Was noch fehlt, sind die Abzweigungen zu den einzelnen Häusern (Building), zum Endabnehmer. Fiber to the Building (FTTB).

Hier kommt nun die Firma KaTiKom GmbH in Spiel. Kabeltiefbau für Kommunikationsanlagen.

Das Sammel-Leerrohr des Hauptstrangs bündelt 14 einzelne Leerröhrchen in sich, von denen jeweils 2 zu jedem Haus/Endabnehmer laufen. Eines für den eigentlichen Lichtwellenleiter und eines „for future use“, also für evtl. späteren Ausbau oder Nutzung.

Dabei ist jetzt fachmännisches Feingefühl und präzises Arbeiten gefragt. Zu enge Bögen oder gar Knicks in der Leitung gehen gar nicht, da der Lichtwellenleiter zu einem späteren Zeitpunkt vom Verteilerkasten aus mit einem Spezialgerät eingeblasen wird. Der Lichtwellenleiter muss also seinen Weg vom Verteilerkasten bis ins Endabnehmer-Haus finden können ohne dabei unterwegs irgendwo anzuecken.

Eine hochinteressantes Verfahren, auf das wir aber noch warten müssen, da vorher so viel wie möglich an Leerrohren und -röhrchen verlegt sein sollte.

Breitbandausbau im Landkreis Helmstedt

Schnelles Internet für seine Bürger und seine Unternehmen. Gemeinsam mit Fördermitteln des Bundes will der Landkreis Helmstedt für den Ausbau der Telekommunikations-Infrastruktur insgesamt gut 40 Mio Euro investieren. Durch diese sog. Breitband-Initiative bekommen unterversorgten Haushalte, Firmen und Schulen einen Glasfaseranschluss (Lichtwellenleiter) direkt bis ins Haus.

Bewertung der Räbker Situation

Spannend für das Räbker Kerndorf ist es, ob und wann es denn ebenfalls in den Genuss einer zeitgemäßen, leistungsfähigen und störungsarmen, also zukunftssicheren Telekommunikations-Infrastruktur kommt.

Wie man den Ausbauplänen des Landkreises entnehmen kann, wird Räbke nur im Südosten und Südwesten mit einer nennenswerten Anzahl von FTTB-Anschlüssen ausgestattet. Einige wenige Einstreuungen von Westen her kommen noch dazu. Der eigentliche Ortskern bleibt jedoch weitflächig unterversorgt. Zumindest das gesamt Erholungsgebiet Nord-Elm erhält „Vollausstattung“.

Im weitflächigen Dorfkern von Räbke wird man sich für die nächste Zeit vermutlich mit dem ums Vectoring aufgebohrte VDSL auf Basis der seit vielen Jahrzehnten existierenden Kupferverkabelung begnügen müssen. Das bedeutet bei uns in der Praxis maximal 50 Mbit/sec – unter guten Bedingungen. Das kann man schon heute als nicht zukunftssicher bezeichnen.

Es findet ein Umdenken statt

Es gibt jedoch bereits Politiker, die von einem Recht eines jeden Bürgers auf Versorgung mit einer leistungsfähigen Kommunikationsanbindung sprechen. Ein Grundversorgungsrecht wie bei Strom und Wasser.
Zuletzt habe ich Derartiges vor ein paar Monaten aus dem Munde unseres Bundeswirtschaftsministers, Peter Altmaier, vernommen.

Technischer Hintergrund

Lichtwellenleiter  – auch Glasfaserkabel genannt –  können in der Nachrichtentechnik zur Datenübertragung über sehr weite Strecken mit sehr hoher Bandbreite verwendet werden.
Das wiederum ermöglicht sehr hohe Übertragungsraten im Giga- bzw. Terabit-Bereich pro Sekunde, bei vergleichsweise sehr großen Reichweiten bis hin zu mehreren hundert Kilometern ohne zusätzliche Verstärkung.

Im Rahmen des aktuellen Breitbandausbaus im Landkreis Helmstedt sollen Übertragungsraten bis zu 1 Gbit/sec möglich werden (1 GigaBit sind 1.000 MegaBit).

In Lichtwellenleitern werden die Signale optisch übertragen, während in der alten Kupferkabel-Technik die Signale elektrisch weitergeleitet werden.

Wegen Signaleinstreuungen (Störungen) aus benachbarten Leitungen (Übersprechen/Nebensprechen) setzt man in der Kupferkabel-Technik deshalb das Vectoring ein, um nämlich genau dieses Problem des Übersprechens in den Griff zu bekommen.

Das „normale“ Vectoring reicht bis max. 100 Mbit/sec und das Supervectoring bis 250 Mbit/sec.

Technisch/wirtschaftlich ist damit eine kritische Grenze erreicht. Alles, was darüber hinaus reichen soll, endet an Leitungslängen bei 250 Metern. Die Leitungslänge zwischen einem Haus in „Breite Str. 92“ und der nächsten DSL-Vermittlungsstelle (der graue Telefonkasten in der „Schanze“) beträgt 585 Meter… !

Für den Endabnehmer gibt es neben der wesentlich höheren Leistungsfähigkeit noch weitere Vorteile gegenüber der alten Kupferkabel-Technik.

Die wichtigsten seien hier genannt:

  1. Keine Signaleinstreuungen (Störungen) aus benachbarten Leitungen (Übersprechen/Nebensprechen)
  2. Keine Schäden durch Blitzeinwirkung (Überspannung und Brand)
  3. Keine Störungen durch elektromagnetische Einflüsse
  4. Hohe Ausbaureserve
  5. Höhere Abhörsicherheit

Glossar + weiterführende Links

Stets aktuell informiert auf https://raebke.de/blog/
1 Kommentar
  1. Christian Lubkowitz
    Christian Lubkowitz sagte:

    „Digitalisierung ist Dableibevorsorge auf dem Land“, so Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anlässlich des Zukunftsforums Ländlicher Raum im Januar 2019 in Berlin. Und schon lange wissen wir, dass der Satz einer Ministerin mit dem Internetanschluss und der Milchkanne ein dummer Satz war.
    Leider verhallten diese Aussagen bei unseren gewählten Vertretern im ländlichen Raum weitestgehend. Eine Art von Hierarchiegläubigkeit, die noch nie kreativ war, wurde aus der Mottenkiste geholt. Es gäbe doch da Gesetze etc. etc. Und selbst die Sonderveranstaltung der Telekom 2018 in Räbke hat sich hinterher als “Veralberung“ herausgestellt und diente lediglich dem Kundenfang oder –halten.
    Ich selber kann ein Lied davon singen: 100 Mbit/sec wurden zugesagt, ich unterschrieb; keine Rückmeldung der Telekom; Nachhaken, mit dem Ergebnis, es gingen lediglich 50 Mbit/sec, die bei mir aber zurzeit regelmäßig unter 30 Mbit/sec im Download enden.
    Diese 30 Mbit/sec sollte ich aber bereits in der Vor-Vectoring-Zeit laut Telekom erreicht haben. Denn das war der Grund, warum unser Grundstück nicht mit dem Roten Punkt auf der Karte als ein neues “Breitbandgrundstück“ ausgewiesen wurde.
    Ein Hoch auf die Süpplingenburger, die sich die offensichtlich fehlerhafte Protokollierung der Telekom nicht haben bieten lassen. Zwei Gespräche bei der Bundesnetzagentur sorgten dafür, dass den Süpplingenburgern die Zukunft offen steht.
    Es ist nämlich nicht die Frage, ob man persönlich LWL/Breitband jetzt bereits benötigt. Corona-Krise und moderne Landwirtschaft verdeutlichen schon gegenwärtig – der Blick nach Schickelsheim in das Digital Labor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zum Beispiel macht es klar –, was in naher Zukunft auf uns zukommt, ohne dass wir gefragt werden. Die beste digitale Grundausstattung ist gerade gut genug für das Land. Denken wir doch allein an Telemedizin bei einem Fehl an Hausärzten in ländlichen Regionen.
    Ein Blick in die Vergangenheit. Vor gut 10 Jahren kam das erste Smartphone auf den Markt. Es hat die Welt verändert, ob wir wollten oder nicht. Und nicht nur die technische.
    Wir müssen bei den nächsten Veränderungen als Dörfler aktiv mit dabei sein. Das funktioniert nur mit einer Aufrüstung im digitalen Bereich.
    Jetzt, während der Corona-Krise, besteht die einmalige Chance, neu anzupacken und die Versäumnisse der Vergangenheit vergessen zu machen. Eine Zweiteilung des Dorfes in Besitzer eines Breitbandanschlusses und in die ohne, darf es nicht geben. Kommunalpolitiker haben die Pflichtaufgabe, für Menschen und Unternehmen das Umfeld zu gestalten und das Thema schnellstens auf allen Ebenen an die “Front“ nach vorn zu bringen.
    Übrigens sitzen unsere Abgeordneten auch im Land- und Bundestag. Jetzt handeln!

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