Post von AgrarScout Mareike: Grundwasserschutz stand obenan

AgrarScouts vor Lippelts Hof: v.l. Elisa Pape, Michael Wohlfing und Mareike Jens. Foto CL

Die Auftaktveranstaltung der Gewässerwoche Schunter am 19. Mai war ein richtig guter Anlass, um mit den Leuten über Landwirtschaft und Wasser ins Gespräch zu kommen. Nicht zuletzt waren unser Trecker und das Gülleverschlauchungssystem von Landwirt Friedrich Reinold aus Schöningen auch echte – nicht alltägliche – Hingucker mitten in Räbke.

Die Gespräche führten sehr oft in eine klare Richtung: Grundwasserbelastung. Vereinzelt gab es hier sehr kritische Stimmen, bei denen die Landwirtschaft, besonders die konventionelle Landwirtschaft, für die Grundwasserbelastung mit Nitrat alleinverantwortlich gemacht wird. Doch wird die Gülle heutzutage nicht mehr einfach so ausgebracht, sondern dank moderner Technik zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort und in der Menge, in der sie die Pflanzen auch „verdauen“ können. Besonders ein „Verschlauchungssystem“ gewährleistet diese Anforderungen, die die Pflanzen stellen und unterbindet so beispielsweise das Versickern überflüssiger Gülle.

Zusätzlich wird bei dem in Räbke vorgestellten Gespann aus Trecker und Schlauchsystemen der Boden stark entlastet, da kein volles Güllefass über das Feld transportiert wird, sondern lediglich der Trecker mit dem Schlauchsystem. So genaues und ressourcenschonendes Arbeiten sowie den Fokus auf die Boden- und Umweltschonung hatten wir vor 30 Jahren noch nicht – und auch das heutige Wissen nicht.

Fehleranalyse hilft immer

Die Fehler von damals holen uns heute ein, doch heute können wir gewährleisten, punktgenau ansetzen zu können. Und das versuchen wir nicht nur in der landwirtschaftlichen Praxis, sondern eben auch in der Kommunikation: Menschen vorurteilsfrei, sachlich und umfassend über die landwirtschaftliche Praxis zu informieren und im Idealfall auch Denkanstöße für unser Tun aus den Gesprächen mitzunehmen. Jeder leistet einen Beitrag in der Gesellschaft und die Landwirtschaft ist innovativ, selbstkritisch und zukunftsorientiert, was durch die ausgestellte Technik und unser AgrarScout-Dreier-Gespann aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands zusätzlich verdeutlicht werden konnte.

Darüber hinaus gab es natürlich auch Gespräche, mit eher unkritischen Inhalten, Verständnisfragen und anschließenden Aha-Effekten. Auf die Frage von uns AgrarScouts, ob die Besucher wüssten, was an den Trecker angehängt ist, kam häufig die Antwort: „Das ist eine Spritze!“ Die Aufklärung, dass mit diesem Gespann keine Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden, verdutzte manch einen. Und dann war das Interesse und die Begeisterung für eine solch präzise und schonende Technik bereits geweckt.

Klein strukturiert?

Ein wenig amüsant war für mich persönlich, dass der ein oder andere Gesprächspartner lieber eine klein strukturierte und kleinbäuerliche Landwirtschaft hätte, der nächste Gesprächspartner wiederum empfand die Lohnunternehmen als überflüssig und störend. So vielfältig und individuell wie wir Menschen sind, sind auch die Vorstellungen, wie die moderne Landwirtschaft auszusehen und zu handeln hat. Da ist es natürlich nahe liegend, dass nicht jeder Vorstellung nachgekommen werden kann, wenn immer weniger Menschen sich für den Beruf des Landwirts entscheiden und aktiv Landwirtschaft betreiben.

Im Zentrum mitten unter den Besuchern: Ein John Deere und ein Verschlauchungssystem von Landwirt Friedrich Reinold aus Schöningen – Foto Hermann Körber

Während ich viele Wünsche und Vorstellungen verstehe, sehe ich auf der anderen Seite aber auch, dass ein Großteil unserer Gesellschaft gar keinen direkten Bezug mehr zur Landwirtschaft hat, um nachzuvollziehen, wieso wir beispielsweise immer weniger Familienbetriebe haben, oder es eben Lohnunternehmen gibt, die den einzelnen Landwirten sehr viel Arbeit abnehmen.

Wie funktioniert moderne Landwirtschaft?

Diesen Bezug und somit auch die Wertschätzung gegenüber der modernen Landwirtschaft, auf unseren Betrieben, möchten wir den Menschen mit unseren Gesprächen geben und ihnen aufzeigen, wie moderne Landwirtschaft hier in Deutschland funktioniert. Unser Ansatz geht eigentlich sogar noch darüber hinaus, denn wir wollen uns mit den Menschen austauschen und nehmen auch gern konstruktives Feedback wieder mit auf unsere Betriebe, um uns eben ständig weiterzuentwickeln.

Es hat sehr viel Spaß gemacht, dabei gewesen zu sein, und ich hoffe, dass wir vielleicht bald wieder eine Möglichkeit finden, in Räbke zusammen zu kommen und die Menschen ein wenig mehr mit der modernen Landwirtschaft in Kontakt zu bringen.

Vielen Dank an die Räbker für Ihre Betreuung, all die Vorbereitungen und Umsorgung! Der Himbeerschnaps hat sehr gut geschmeckt. Ich habe ihn gestern Abend mit ein paar Studenten geteilt und von der Geschichte berichtet, die dahintersteckt.

Mareike Jens

Mareike Jens ist Werkstudentin „Netzwerk“ im Forum „Moderne Landwirtschaft“ (www.moderne-landwirtschaft.de) und hat am 19. Mai anlässlich der Eröffnungsveranstaltung der Gewässerwoche Schunter in Räbke gemeinsam mit Elisa Pape, Bornum und Michael Wohlking aus dem Landkreis Diepholz als AgrarScout gearbeitet. 😉

Von der Website des Forums Moderne Landwirtschaft:

Unser aller Wissen.
Die Moderne Landwirtschaft.

Moderne Landwirtschaft blickt nach vorn: Sie setzt auf die Entwicklung nachhaltiger Verfahren. Sie arbeitet wirtschaftlich und ist sich ihrer Verantwortung für die Gesellschaft, die Tiere und den Naturhaushalt bewusst. Sie löst die Ernährungsfragen unserer Gesellschaft. Ihre Persönlichkeiten, d.h. Landwirte, aber auch Akteure in den vor- und nachgelagerten Bereichen, nutzen unser aller Wissen und kombinieren es mit ihrer Expertise und ihrem Ideenreichtum. So verbessern sie stetig und unter Einsatz innovativer Technologien das landwirtschaftliche System. Moderne Landwirtschaft geht auf sich ändernde gesellschaftliche Anforderungen ein. Sie ist offen für den Dialog. Ihre Vielfältigkeit und ihre Fortschrittlichkeit machen sie so faszinierend.

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